Die 82. Ausgabe des KOBV-Newsletter, der über die Ereignisse im KOBV-Team von Oktober bis Dezember 2025 berichtet, ist erschienen. Sie finden ihn auf dem KOBV-Webserver unter: https://www.kobv.de/wp-content/uploads/2026/01/KOBV_Newsletter_82.pdf
Aktuelles
Hier kommen alle Beiträge rein, die zum Thema Aktuelles gehören.
Rückblick auf die Veranstaltung „Das Paradox der Offenheit – Der schmale Grat zwischen Open Science und wissenschaftlicher Integrität“
Am 11.12.2025 hat im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Quo Vadis – Offene Wissenschaft in Berlin und Brandenburg“ die Veranstaltung „Das Paradox der Offenheit – Open Science und wissenschaftliche Integrität“ stattgefunden. Der Fokus der Veranstaltung lag auf der Frage, inwiefern Falschinformationen im Zeitalter von KI die wissenschaftliche Integrität bedrohen. Die Veranstaltung war mit 105 Teilnehmenden sehr gut besucht, was zeigt, dass das Thema auf großes Interesse stößt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Julia Boltze-Fütterer von der Verbundzentrale des Kooperativen Bibliotheksverbunds Berlin-Brandenburg (KOBV).
Als Einstieg in das Thema wurden die Teilnehmenden gefragt, was ihrer Meinung nach das größte Risiko von KI in der Wissenschaft darstellt. Mehr als die Hälfte hat angegeben, dass das größte Risiko im Verlust des Vertrauens in wissenschaftliche Ergebnisse liegt.
In Frage zwei sollten die Teilnehmenden die Rolle von generativer KI in der Wissenschaft bewerten, von 1 „Überwiegend nützliches Werkzeug“ bis 5 „Überwiegend massive Bedrohung“. Die Bewertungsergebnisse bewegten sich im Mittelfeld. Nur 4% bewerteten es als „Überwiegend nützliches Werkzeug“ und niemand als „Überwiegend massive Bedrohung“.
Der Hauptteil der Veranstaltung bestand aus drei spannenden Input-Vorträgen, die das Thema Open Access in Zeiten von Fake Science und KI beleuchteten.
Begonnen hat Dr. Tomasz Stompor, der Leiter der Verbundzentrale des KOBV. Herr Stompor widmete sich in seinem Vortrag der Frage, wie Fake Science offene Wissenschaft untergräbt. Zu Beginn stellte er die verschiedenen Arten wissenschaftlichen Betrugs vor. Dabei begann er zuerst mit den bereits 1830 von Charles Babbage aufgestellten Grundmethoden: Hoaxing (Erfindung mit dem Ziel etwas zu verhöhnen), Forging (Erfinden von Ergebnissen, mit Absicht nicht entdeckt zu werden), Trimming (fragmentarische Manipulation von Ergebnissen) und Cooking (bewusste Manipulation um ein gewünschtes Ergebnis zu erreichen). Herr Stompor berichtete weiter, dass die Fixierung auf Metriken zur Bewertung des wissenschaftlichen Outputs neue Arten wissenschaftlichen Betrugs mit sich bringt, durch generative KI werde das ganze vereinfacht und beschleunigt. Herr Stompor führte weiter aus, dass der Zuwachs von betrügerischen Publikationen auf dem Weg sei, die Veröffentlichungsrate legitimer Forschung zu überholen. Dies führe dazu, dass das gesellschaftliche Vertrauen in die Wissenschaft ins Wanken gerate. Zum Abschluss ging er noch auf den Titel „Das Paradox der Offenheit“ ein. Seiner Meinung nach zeigt sich dieses in einem Spannungsfeld zwischen Zugang und Vulnerabilität. Vor allem in offenen Infrastrukturen wird diese Vulnerabilität zunehmend sichtbar, da es durch KI vermehrt zur Ausbeutung dieser Infrastrukturen kommt. Tomasz Stompor schloss mit dem Plädoyer, dass es zu einer Reform der wissenschaftlichen Prestigeökonomie kommen müsse, das Bewusstsein dafür solle auch durch das Engagement von Bibliotheken geschaffen werden.
Dr. Violeta Trkulja ist Informationswissenschaftlerin und stellvertretende Vorsitzende des Vereins „Grenzenlos Digital“ und hat als zweite Referentin in ihrem Vortrag das Forschungsprojekt Desive² vorgestellt. Desive² hat das (Des)informationsverhalten von Bürger:innen im Bereich Gesundheit untersucht und sich in diesem Kontext auch mit der Systematisierung von Falschinformationen in der Wissenschaft beschäftigt. Frau Trkulja hat vier Kategorien von Falschinformationen in der Wissenschaft näher beleuchtet: 1) Pseudowissenschaft als eine Form, die außerhalb des Wissenschaftssystems entsteht (beispielsweise wissenschaftliche Anmutung durch bestimmte Merkmale wie Formeln, Tabellen etc.), 2) überholte Forschungsergebnisse, 3) Datenfälschungen und wissenschaftliches Fehlverhalten und 4) Verfälschung durch die Rezeption (beispielsweise durch Dekontextualisierung). Violeta Trkulja hat Beispiele für alle Kategorien präsentiert und ist abschließend darauf eingegangen, wie wissenschaftliche Falschinformationen entstehen und was ein Vertrauensverlust in die Wissenschaft bedeutet.
Den dritten Input der Veranstaltung hat Dr. Juliane Stiller, Informationswissenschaftlerin und Vorsitzende des Vereins „Grenzenlos Digital“ gegeben. In ihrem Vortrag beleuchtete sie, wie das Spannungsfeld zwischen Offenheit, Integrität und wissenschaftlicher Sicherheit durch KI beeinflusst wird. Frau Stiller stellte in ihrem Vortrag mehrere Herausforderungen gegenüber. Zuerst ging sie auf die wissenschaftliche Integrität ein, die durch gute wissenschaftliche Praxis, Verantwortung, und Transparenz gelebt wird. Diese wird durch industriell gefertigte Falschinformationen immer mehr bedroht. In einem weiteren Spannungsfeld stehen die offenen wissenschaftlichen Infrastrukturen, die einerseits durch Missbrauch durch Paper Mills als auch durch Überlastung durch KI-Crawler immer mehr unter Druck geraten. Die für diese Herausforderungen benannten Lösungsansätze resultierten jedoch wieder in einem Dilemma: So kann KI schnelle Analysen und bessere Forschungstools ermöglichen, dies führt aber auch zu mehr Prüf- und Kontrollbedarf. Frau Stiller schloss mit dem Plädoyer, dass Kooperation, auch als Grundgedanke des Open Access, das Ziel sein sollte und dass der Rückbau von Open Access keine Lösung für die aktuellen Herausforderungen sein kann.
Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden für die spannende Diskussion.
Falls Sie sich mehr mit dem Thema beschäftigen wollen, finden Sie unter folgendem Link eine Zotero-Bibliografie zum Thema Fake Science: https://www.zotero.org/groups/6191394/fake_science_scientific_fraud/library
Schicken Sie uns gern Artikel zur Ergänzung zu.
Vortragsfolien:
Dr. Tomasz Stompor – „Täuschung vs. Transparenz: Wie Fake Scinece (offene) Wissenschaft untergräb“:
https://zenodo.org/records/18244555
Dr. Violeta Trkulja – “Falschinformationen in der Wissenschaft – Eine Typologisierung“:
https://zenodo.org/records/17961889
Dr. Juliane Stiller – „Open Science, KI und das Ringen um wissenschaftliche Integrität“:
Neue EFRE Projekte FACTS und CLAUDI
Der KOBV hat im vierten Quartal zwei weitere Vorhaben zur Förderung im Rahmen des Berliner Programms „Stärkung der Innovationskapazitäten in der Informationsversorgung – STIIV“ in der EFRE-Förderperiode 2021 – 2027/29 eingereicht. Wir freuen uns, dass schon im Dezember beide EFRE-Projekte bewilligt wurden. Wir werden uns in den kommenden drei Jahren zum einen mit dem Betrieb eines Bibliotheksmanagementsystems und zum anderen mit betrügerischen Praktiken im wissenschaftlichen Publikationswesen beschäftigen. Die betriebsbereite Einführung eines einheitlichen, cloudbasierten Bibliotheksmanagementsystems (BMS) sowie eines gemeinsamen Discovery-Systems für vier Berliner Hochschulbibliotheken werden wir im Projekt »CLAUDI (Berlin Library Cloud)« angehen. Als Zielsystem dient das Open-Source-BMS FOLIO in Kombination mit VuFind. Dabei werden wir eng mit unserem strategischen Partner BVB sowie mit der Alice-Salomon Hochschule Berlin, der Berliner Hochschule für Technik, der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin und der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin kooperieren.
Das Projekt FACTS (Fraud Analysis and Counterfeit Testing in Scholarly Publishing) knüpft an die Erkenntnisse aus dem noch bis Ende 2026 laufenden EFRE-Projekt FAN (Fully Algorithmic Librarian) an, das sich mit der Analyse bibliographischer Datenbanken beschäftigt. FACTS beinhaltet die Anwendung von mathematischen Methoden für eine systematische Identifikation und Bewertung unseriöser oder betrügerischer Publikationspraktiken (u.a. Predatory Journals, Paper Mills, Zitationskartelle).
OPUS-Release Version 4.8.0.19 veröffentlicht
Die KOBV-Zentrale hat ein neues Patchrelease, die Version OPUS 4.8.0.19 auf Github veröffentlicht: Mehr Informationen zum Download und der Installation finden Sie unter OPUS-4 Entwicklung.
Das neue Patchrelease bietet die Möglichkeit, Facetten für die Suche zu aktivieren, ohne dass sie in der Weboberfläche angezeigt werden. Das kann für Suchlinks verwendet werden, bei denen z.B. die ID einer Sammlung zur Filterung verwendet werden soll.
Weitere Informationen zu den Änderungen können auf der offiziellen Github Seite von OPUS 4 unter „application/releases“ nachgelesen werden. https://github.com/OPUS4/application/releases
OPUS-Release Version 4.8.0.18 veröffentlicht
Die KOBV-Zentrale hat ein neues Patchrelease, die Version OPUS 4.8.0.18 auf Github veröffentlicht: Mehr Informationen zum Download und der Installation finden Sie unter OPUS-4 Entwicklung.
Der neue Patch Release behebt ein Problem mit Select-Enrichments im Metadaten-Formular, wenn ein Dokument einen Wert verwendet, der nicht länger für das Select-Feld konfiguriert ist.
Weitere Informationen zu den Änderungen können auf der offiziellen Github Seite von OPUS 4 unter „application/releases“ nachgelesen werden. https://github.com/OPUS4/application/releases
Rückblick auf das gemeinsame Anwender:innen-Treffen Fernleihe von SWB und KOBV
Am 10. Dezember 2025 fand im Rahmen der Winter-Sitzung der AG Berlin-Brandenburgischer Leihverkehr (BBLV) ein gemeinsames Anwender:innen-Treffen von SWB- und KOBV-Bibliotheken online via ZOOM statt.
Im ersten Teil der Sitzung berichteten die Verbundzentralen gemeinsam aus den überregionalen Gremien und über den aktuellen Entwicklungsstand der Online-Fernleihe. Denn seit 2023 betreiben die Verbundzentralen der beiden Verbünde ein gemeinsames technisches System für die Fernleihe.
Der zweite Teil der Sitzung war interaktiv. 30 Minuten lang konnten sich die Teilnehmenden in vier thematischen BreakOut-Rooms zu den Themen E-Book-Fernleihe, Elektronische Direktlieferung für Endnutzende, Fernleihe 2.0 sowie Zoll bzw. Transport austauschen.
Abschließend wurden die Themen noch einmal im Plenum zusammengefasst und die Teilnehmenden konnten Feedback geben.
Wir freuen uns sehr, dass das Format so gut angekommen ist und sogar Interesse an weiteren Treffen (evtl. in Präsenz) besteht.
Das Protokoll wird zeitnah auf den Seiten der Leihverkehrszentrale BER bereitgestellt. Die Vortragsfolien sind auf Zenodo einsehbar.
Quo Vadis – Offene Wissenschaft für Berlin und Brandenburg – KOBV-Veranstaltung im Dezember
Auch in diesem Jahr ist der KOBV wieder Teil der Veranstaltungsreihe „Quo Vadis – Offene Wissenschaft für Berlin und Brandenburg“.
Am 11.12.2025 findet von 10:00 – 11.30 Uhr die Podiumsdiskussion „Das Paradox der Offenheit – Der schmale Grat zwischen Open Science und wissenschaftlicher Integrität“ statt.
Falschinformationen bedrohen im Zeitalter von KI zunehmend die wissenschaftliche Integrität. Sogenannte „Paper Mills“ streuen Tausende von Fake-Artikeln. Gleichzeitig erweisen sich Open-Access-Infrastrukturen zunehmend technisch angreifbar und der Ausbeutung durch Akteure mit kommerziellen Interessen ausgesetzt.
Diese Entwicklungen machen deutlich, dass Offenheit und wissenschaftliche Integrität in Konflikt geraten sind. In der Veranstaltung möchten wir diesen Konflikt diskutieren und fragen: Wie lässt sich Integrität sichern, wenn Betrug im Streben nach Reputation mit Hilfe von KI das wissenschaftliche Publikationswesen fundamental angreift und gleichzeitig die Nachhaltigkeit von offenen Infrastrukturen gefährdet.
Zu Beginn der Veranstaltung wird es drei Inputvorträge geben. Anschließend gehen wir in eine Diskussion über. Die Panelist*innen sind:
- Dr. Juliane Stiller (Grenzenlos Digital e.V.)
- Dr. Violeta Trkulja (Grenzenlos Digital e.V.)
- Dr. Tomasz Stompor (Kooperativer Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg)
Moderiert wird die Veranstaltung von Julia Boltze-Fütterer vom Kooperativen Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg.
Weitere Informationen und Anmeldung hier: https://open-access-brandenburg.de/events/das-paradox-der-offenheit-open-science-und-wissenschaftliche-integritaet-quo-vadis-2025/
KOBV-Newsletter Nr. 81/2025
Die 81. Ausgabe des KOBV-Newsletter, der über die Ereignisse im KOBV-Team von Juli bis September 2025 berichtet, ist erschienen. Sie finden ihn auf dem KOBV-Webserver unter: https://www.kobv.de/wp-content/uploads/2025/10/KOBV_Newsletter_81.pdf
Neue kommissarische Leitung des bibliothekarischen Bereichs der KOBV-Zentrale
Wir freuen uns sehr, dass die KOBV-Zentrale eine neue geschäftsführende Leitung für den bibliothekarischen Bereich bekommt. Die Nachfolge von Beate Rusch übernimmt ab dem 1. Oktober Dr. Tomasz Stompor, der bereits seit 2023 in den Projekten DeepGreen und FAN als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Verbundzentrale tätig war. Zu seinen vorherigen beruflichen Stationen zählen die Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt und die Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen. Herzlich Willkommen in deiner neuen Rolle Tomasz!

Verabschiedung von Beate Rusch
Nach 28 Jahren engagierten Jahren in der KOBV-Zentrale wurde unsere hochgeschätzte Beate Rusch in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Aus diesem Anlass fand am 8. September in der Domäne Dahlem ein Fachkolloquium statt, bei dem Rückblicke auf die Vergangenheit und Ausblicke auf die Zukunft des KOBV und von digiS geworfen wurden.
Viele Wegbegleiter:innen aus der hiesigen Bibliothekswelt haben sich von Beate Rusch verabschiedet. Mit größeren und kleineren Redebeiträgen haben sie einen Rückblick auf verschiedene Projekte, Veranstaltungen und Erlebnisse aus fast drei Jahrzehnten
gegeben.
Unter anderem haben Prof. Martin Grötschel, ehemaliger Präsident des ZIB, Robert Scheuerl (BVB) und Roland Bertelmann (ehem. Leiter Helmholtz Open Science Büro) ihre Zusammenarbeit mit Beate Rusch Revue passieren lassen.
Die Kolleg:innen der KOBV-Zentrale und von digiS und FAK haben sich mit einem eigens für Beate umgeschriebenen Lied und einzelnen Redebeiträgen bedankt.
Wir sind zwar untröstlich darüber, dass wir unsere tolle geschäftsführende Leiterin verabschieden mussten, freuen uns aber mit ihr über ihre spannenden zukünftigen Aktivitäten und Pläne. Viel Spaß und alles Gute, liebe Beate!
