Mehr als 80 Gäste kamen am 2. Juli 2026 ins Zuse-Institut Berlin, um von 10 Uhr bis 15:30 Uhr gemeinsam aktuelle Entwicklungen, Projekte und Perspektiven rund um Kooperation im Bibliothekswesen zu diskutieren.

Der vom neuen Geschäftsführenden Leiter der KOBV-Zentrale Dr. Tomasz Stompor moderierte Vormittag beleuchtete Kooperation aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Den Auftakt machte Prof. Dr. Thorsten Koch mit seiner Keynote „Widerstand ist zwecklos: Kooperieren mit KI-Agenten“. Seine zentrale Botschaft: Die Fähigkeiten künstlicher Intelligenz entwickeln sich rasant weiter, Agentic AI könnte zum „Betriebssystem der nächsten Internetgeneration“ werden. Umso wichtiger sei es, diese Entwicklung aktiv mitzugestalten.

Dr. Maxi Kindling von der TU Berlin stellte SeDOA vor – ein DFG-gefördertes Projekt mit 15 Partnern und rund 15 Vollzeitäquivalenten, das eine dezentrale Infrastruktur für Diamond Open Access aufbaut.

Julia Boltze-Fütterer gab einen Überblick über die verschiedenen Kooperationsfacetten bei DeepGreen und warum der Dienst beispielhaft ist für Kooperation über Verbundgrenzen hinaus.

Patricia Kern gab anschließend Einblicke in das Friedrich-Althoff-Konsortium. Mit 625 Vertragsteilnahmen, 205 Bibliotheken und einem Umsatz von 12,67 Millionen Euro verdeutlichte ihr Beitrag die Dimension gemeinschaftlich organisierter Erwerbungsmodelle. Eine wichtige Neuerung beim FAK ist die Integration des Konsortiums in die KOBV-Zentrale. Ein wesentlicher Schritt war die im Juni beschlossene Auflösung des Vereins.

Wie Bibliotheken gesellschaftliche Verantwortung übernehmen können, zeigte Heike Rosendahl von der Stadtbibliothek Luckenwalde. Mit dem Projekt „Land schafft Demokratie“ ist ihre Einrichtung die einzige geförderte Bibliothek Brandenburgs im bundesweiten Programm. Das Angebot reicht von Argumentationstrainings bis hin zu Formaten für Klima-Engagement.

Während der Mittagspause verwandelte sich der Seminarraum in ein „Meet and Greet“ der KOBV-Services. Die Gelegenheit wurde genutzt, um Kontakte zu knüpfen, Fragen zu stellen und Erfahrungen auszutauschen.

Am Nachmittag rückte FOLIO in den Mittelpunkt. Unter der Moderation von Shirley McLeod (HTW Berlin) wurde deutlich, wie viel durch verlässliche Zusammenarbeit erreicht werden kann. Aila Schultz berichtete über den aktuellen Stand des CLAUDI-Projekts beim KOBV, während Ina Dubberke von der BHT die Umsetzung an vier Berliner Hochschulen vorstellte. Ziel ist der Umstieg auf ein cloudbasiertes Open-Source-Bibliotheksmanagementsystem im Zeitraum von 2026 bis 2028.

Edwin Pretz vom Bibliotheksverbund Bayern ergänzte die bayerische Perspektive. Dort sind bereits elf Hochschul- und Universitätsbibliotheken von SISIS zu FOLIO migriert, der Abschluss der Migrationsphase ist für Ende 2027 vorgesehen. Grundlage der verbundübergreifenden Zusammenarbeit ist unter anderem ein Memorandum of Understanding der deutschen FOLIO-Verbundzentren zur gemeinsamen Qualitätssicherung. Seine Devise, frei nach Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes. Außer: man tut es.“

Einen besonders persönlichen Einblick gab Stephan Ligl von der OTH Regensburg. Er schilderte den anspruchsvollen Weg zur dritten BVB-Pilotbibliothek, die seit dem 13. Mai 2025 mit FOLIO arbeitet. Überstunden und Zweifel gehörten ebenso dazu wie die Erfahrung, dass nach dem Umstieg niemand zum alten System zurückkehren wollte. Seine wichtigste Empfehlung: „1. Aufräumen, 2. Aufräumen, 3. Aufräumen.“

Simone Georgi von der SLUB Dresden und Dr. Henriette Rösch von der UB Leipzig präsentierten abschließend das ebenfalls mit EFRE-Mitteln geförderte Projekt FOLIO Sachsen. Das Vorhaben läuft von 2025 bis 2028 und wird von sieben Entwickler:innen getragen. Im Fokus stehen komplementäre Lösungen für Erwerbung und Ausleihe, Migrationsworkflows aus LIBERO sowie der FOLIO-Beirat Sachsen als Plattform für Wissenstransfer und Vernetzung.

Zum Abschluss blieb Raum für offene Gespräche und gemeinsame Reflexion. Dabei wurde deutlich: FOLIO steht nicht nur für einen Systemwechsel, sondern auch für einen kulturellen Wandel – weg von geschlossenen Strukturen, hin zu mehr Offenheit, Beteiligung und gemeinsamer Verantwortung. Stephan Ligl brachte es mit den Worten „roh, laut, nicht perfekt. Ehrlich!“ auf den Punkt.

Ein herzliches Dankeschön gilt allen Gästen, Vortragenden, Poster-Präsentator:innen und Helfenden. Sie alle haben dazu beigetragen, Kooperation an diesem Tag erlebbar zu machen.

Wir freuen uns schon jetzt auf 2027 – ein besonderes Jubiläumsjahr mit 30 Jahren KOBV und dem 25. KOBV-Forum.